Kapitel 1 

Die Verhandlung

 

warri.GIF (769 Byte)hm war kalt. Die Feuchtigkeit des taunassen Grases durchdrang seine Schuhe und ließ ihn frösteln.
Der Waldrand war in tiefen Nebel getaucht, so wie jeden Morgen und die Sonne versuchte gerade sich am Horizont hochzukämpfen.
Eigentlich hatte er sich das alles anders vorgestellt. Er wollte einst mit Ruhm und Ehre auf dem Schlachtfeld sterben, und hatte sich schon manchmal Gedanken gemacht wie seine Beerdigung aussehen würde, aber das schien nun Vergangenheit zu sein.

Ein Hammerknall riß ihn aus seinen Gedanken zurück in das Hier und Jetzt. Er spürte die Wachen hinter sich näher kommen und im selben Moment stießen sie ihn nach vorne so daß er beinahe gestürzt wäre. Die Ketten um seine Füße machten das Gehen schwer und die Fesseln an seinen Händen, die man ihm auf den Rücken gebunden hatte, schnitten sich in seine Haut.

Was für ein Trauriges Bild ich hier abgebe, dachte er sich und betrachtete seinen Körper der nur in Lumpen und alte Säcke gehüllt war.
In diesem Moment brachten ihn die beiden Wachen zu einem abruptem Halt. Er blickt über die Schulter und ließ ihnen einen grimmigen Blick zukommen. Beide Ritter, ein Mann und eine Frau, trugen silberne Rüstungen die in der frühen Morgensonne glänzten und auf ihren Brustpanzern prangte das Wappen der Guardian Angels. Die Visiere ihrer Helme waren geschlossen, aber er wußte genau wer in diesen Rüstungen steckte.
Sein Blick richtete sich wieder nach vorne und der Gefangene ließ ihn über die versammelte Menge streifen.
Direkt vor ihm befand sich ein langer, rechteckiger Holztisch der mit der längeren Seite zu ihm stand. Dahinter saßen drei Männer auf Stühlen. Ihre goldenen Umhänge fielen von ihren Schulter über die Lehnen der Sitze. Es war der Rat der Guardian Angels. Alle drei hatten Hüte oder Helme auf dem Tisch vor sich abgelegt und sahen ihn direkt an. Er blickte jeden von ihnen kurz an und erkannte Babba, der Guildmaster der Guardian Angels und Vorsitzender des Rates und zu seinen Seiten Yerodin und Thomas.
Die Fahnen der Angels knatterten im Wind hoch oben auf den Türmen des Gildentowers.

Die Sonne stand nun schon etwas höher und der Nebel hatte sich schon unter ihren Strahlen aufgelöst. Die gesamte Verhandlung fand vor dem Tower statt und man hatte eiligst Stühle und Tische aufgestellt.
Er blickte weiter zu den Leuten die der Verhandlung beiwohnten und er kannte sie alle. Es waren einst seine Gildenkameraden und Freunde gewesen. Manche sahen ihn voller Mitgefühl an, bei anderen konnte man schon beinahe den blanken Haß durchschimmern sehen. Alle hatten auf Stühlen zu seiner Rechten und Linken Platz genommen und er konnte ungefähr sechzig Gesichter zählen die ihn anstarrten. Sie alle waren in ihrer Ausgehuniform erschienen. Diese bestand aus einer silbernen oder schwarzen Plattenrüstung auf deren Brustteil wie bei seinen beiden Wachen das Wappen der Guardian Angels prangte. Alle nahmen, wie der Rat, ihre Helme oder Hüte ab und hielten sie unter dem Arm oder hatten sie auf ihrem Schoß abgelegt. Sie trugen das weiß-gold der Mitglieder der Angels und er sah auch manchmal das blau-gold in den Reihen der Beobachter, welches die Neumitglieder der Gilde kennzeichnete.

Ich war einst ihr Lehrmeister, was werden sie nun von mir denken ?, dachte er im Stillen.
Sein Blick kehrte wieder zum Rat zurück und er hatte die eingekehrte Totenstille kaum bemerkt. Babba erhob sich von seinem Stuhl und ließ den Hammer ein zweites Mal auf den Tisch niedergehen.

"Ich erkläre die Verhandlung hiermit für eröffnet !", seine Stimme war tief und respekteinflößend.

warr2.GIF (17493 Byte)Der Guildmaster der Angels war Veteran unzähliger Schlachten, besonders während der frühen Kriege als es noch Kämpfe gegen die Armeen des Guardians und um den Erhalt Britannias gab. Obwohl er schon zweiundfünfzig Jahre alt war, brannte in Babba´s Augen immer noch das alte Feuer das viele Neumitglieder und auch seine Freunde immer wieder überraschte.

"Wir sind heute hier zusammengekommen um über das Schicksal eines Verräters zu entscheiden, eines Verräters in unseren Reihen. Dies ist das erstemal das mein Amt von mir so eine schwere Entscheidung verlangt. Du bist einer meiner besten Freunde gewesen, ein Freund von uns allen, was hat dich so verändert, ich kann es einfach nicht begreifen."
Kopfschüttelnd ließ sich Babba wieder auf seinem Stuhl nieder und blickte dem Verräter direkt in die Augen.
Dieser gab keine Antwort und es blieb fünf Minuten still.

Babba seufzte und tauschte Blicke mit Yerodin und Thomas, beide nickten ihm zu. Daraufhin erhob er sich wieder und verkündete das Urteil :
"Der Rat der Guardian Angels verurteilt dich hiermit zum Tode."
Das Stimmengemurmel wurde lauter und Babba bat die Anwesenden zur Ruhe.
"Jedoch aufgrund der Dienste die Du im Sinne dieser Gilde und der Allianz erbracht hast, wird diese Strafe umgewandelt in lebenslängliche Verbannung aus dem Allianzgebiet. Hast Du in diesem Fall noch etwas vorzubringen Falcon ?"
Falcon hob seinen Kopf und schüttelte diesen.
"Nein.", sagte er knapp.
Babba nickte den Wachen zu, "bringt diesen Verräter zur Grenze."

Die Wachen ergriffen Falcon´s Arme und führten ihn weg.
"Ich erkläre diese Verhandlung hiermit für beendet. Alles wegtreten.", sagte Babba, aber mit einer sehr viel schwächeren Stimme als zuvor.
Die Stimmung konnte man nur als tiefe Trauer um einen verlorenen Freund bezeichnen und deshalb löste sich die Versammlung nur zögerlich auf.

Inzwischen stand die Sonne am Himmel und vertrieb auch die letzten Nebel- und Wolkenreste.
Man konnte gerade noch die beiden Monde von Britannia erkennen die hoch oben ihre Bahnen zogen. Es versprach ein sonniger Sommertag zu werden.

 

 

Kapitel 2

Das Exil

warrd.GIF (981 Byte)rei Tage waren vergangen ehe die Gruppe, bestehend aus ihm selbst und seiner Eskorte die Grenze des erreicht hatte. Er war der Straße nach Westen gefolgt, welche ihn in Richtung der Wüste führte.

Nach kurzer Zeit kam er an eine Weggabelung. Dort saß er nun bestimmt schon zwei Stunden, aber er hatte jedes Zeitgefühl verloren. Die Sonne stand hoch am Himmel und die Mittagszeit kündigte sich an, aber er starrte nur auf das Schild an der Kreuzung.

Darauf stand...

Westen - Yew - SUN Gebiet

Süden - Britain - Hauptstadt

Er wußte nicht wohin er gehen sollte.
Plötzlich erhob er sich und marschierte Richtung Westen. Falcon wußte nicht was ihn in diese Richtung trieb, aber er vertraute auf sein Gefühl.

Die Sonne brannte vom Himmel und am Horizont konnte er die Berge größer werden sehen, welche die Wüste um den Shrine umgaben.
Auf einmal bemerkte er vor sich ein Gebäude welches teilweise über die Straße reichte. Er kannte diese Art von Bauten, es handelte sich vermutlich um einen Vorposten der SUN um die Straße zu kontrollieren und zu sichern. Noch einmal betrachtete Falcon sich. Jemanden der wie ein Bettler aussah würden sie kaum anhalten, aber seine Vorräte reichten nicht mehr bis Yew. Dennoch hatte er auch keinen Bedarf an einer Unterhaltung mit SUN-Truppen.
Langsam kam er näher und gewann fast den Eindruck das Gebäude sei verlassen. Jedoch bemerkte er die dreieckigen Flaggen die in den SUN-Farben im Wind knatterten und auf den Türmen der Wachstation angebracht waren.
Er begann sich zu wundern.
Haben die hier keine Wachen ?

Falcon trat vorsichtigen Schrittes durch das offene Tor, welches die Straße im Notfall blockieren konnte, schlich lautlos weiter und spähte in eine der Türen an der Straßenseite, welche in die kleine Festung führten.
Es war ein größerer Raum mit einigen Stockbetten und ein paar Tischen in einer Ecke, eine Leiter schien nach oben zu führen, an den Wänden hingen zur Dekoration Schilde und alte Waffen.
Im hinteren Teil erkannte Falcon einen Waffenschrank mit Viking Swords und Helebarden und auf dem Tisch stand etwas Proviant, Brote und Wurst, scheinbar Reste des letzten Essens. Er war sich im klaren darüber, daß sein Proviant nicht bis Yew reichen würde und deshalb blieb im keine andere Wahl.

Leise schob Falcon die Tür weit genug auf um sich hindurch zu quetschen. Er trat einen Schritt ins Zimmer und vernahm ein leises Knarzen als sein Fuß den Holzboden berührte.
Falcon wollte gerade zum zweiten Schritt ansetzen, als ein leises Röcheln seine Aufmerksamkeit erregte. Nein - es war mehr ein Schnarchen und es schien von der Eingangstür zu kommen, durch die er ins Zimmer gelangt war.
Er warf einen vorsichtigen Blick hinter die Tür. Der Wachmann saß auf einem Stuhl, der gegen die Wand gekippt worden war, seine Füße lagen auf einem zweiten Stuhl und er war im tiefsten Traumland.
Falcon griff nach dem Reagenzienbeutel an seinem Gürtel. Auf seiner Reise hatte er einige der magischen Grundzaubernaturalien gefunden und eingesammelt, nun würden sie ihm von Nutzen sein.
Er entnahm dem Beutel eine Garlic und eine Nightshade und legte sie in seine rechte Hand. Im selben Moment als er die Zauberworte "Des Mani" sprach zerdrückte der Zauberer die Reagenzien in seiner Hand. Falcon schloß seine Augen und bemerkte die Stärke des Zaubers in ihm aufsteigen.
Nun erhob er seine rechte Hand in Richtung des Opfers und ließ den Zauber wirken.

Mit diesem Weak-Zauber wird die Wache sicher noch eine Stunde länger schlummern.

Leisen Fußes schlich er weiter in Richtung des Proviants auf dem Tisch und hatte bereits die Hälfte des Weges geschafft, als plötzlich die Tür zum Inneren der Festung aufgestoßen wurde.

"Hey Jeff, hattest du nicht gesagt du wolltest...wer bist du denn ?!?"

Es dauerte einen Moment bis die Wache Falcon bemerkt hatte. In dieser kurzen Sekunde sprang erzu den Vorräten auf dem Tisch, nahm sie an sich und war wieder durch die Tür hinaus.
"ALARM!", brüllte die Wache hinter ihm her, als er schon wieder den Schotter der Straße in Richtung Yew unter seinen Schuhen spührte.

Hochmotiviert diese SUN-Truppen, lachte Falcon leise in sich hinein.
Plötzlich durchfuhr seine Schulter ein stechender Schmerz und er ließ den Proviant fallen. Stolpernd versuchte Falcon weiterzulaufen, aber ohne Erfolg und fiel hart auf den steinbedeckten Boden der Straße. Seine Schulter pochte vor Schmerz und er bemerkte den Pfeilschaft der aus seinem Rücken herausstand. Langsam verloren sich seine Gedanken in einem tiefen Tunnel und eine selige Ohnmacht umarmte ihn und nahm Falcon die Schmerzen.

Langsam arbeitete er sich empor. Sein Rücken schmerzte und seine rechte Schulter war taub.
Er lag. Das war das zweite was er nach den Schmerzen bemerkte, und seine Unterbringung schien nicht die komfortabelste zu sein. Sie war hart, mehr wie Eichenholz.
Falcon begann seine Augen zu öffnen, aber es blieb dunkel, bis auf einen schmalen Lichtstrahl an der Decke. Er schwang seine Beine über die hölzerne Pritsche auf den Boden und stützte sich mit beiden Händen ab.
Seine Aktion wurde mit einem starken Schwindelgefühl belohnt und beinahe dachte er, er müsse sich übergeben. Langsam beruhigten sich sein Magen und Kopf und er sah sich um. Es war ein Raum. Naja, nicht gerade ein Raum, es war mehr eine gemauerte Zelle und der Lichtstrahl fiel durch das einzige vergitterte Fenster im Raum ein.
Falcon rieb sich den Nacken. Was machte er hier ?

Das letzte an das er sich erinnern konnte war, wie er die Straße nach Yew entlang rannte und dann hatte ihn etwas an der Schulter getroffen. Erst jetzt bemerkte er den professionellen Verband um seine Schulter.
Bevor Falcon weiter über die vielen Fragen welche sich in seinem Geist formten nachdenken konnte wurde die schwere Eisentür der Zelle aufgestoßen und zwei Wachen in schwarzen Rüstungen schritten herein. Sie packten ihn und stießen Falcon aus der Zelle durch mehrere Gänge die an ein Gefängnis erinnerten.
Es war immer noch sehr dunkel und erkonnte seine Begleiter in dem dunklen Fackelschein, welcher teilweise den Gang erleuchtete nur schwer erkennen.
An den Seiten eines jeden Ganges waren Zellentüren wie die seine angebracht, aus denen manchmal ein fauliger Gestank aus der vergitterten Öffnung austrat, bei anderen Zellen hörte man oftmals nur ein leises Stöhnen. Falcon wollte gar nicht wissen was sich hinter diesen Türen verbarg.

Er wußte nicht mehr ob sie nur Meter oder Kilometer durch die dunklen Gänge geschritten waren, aber am Ende des Ganges sah er einen Lichtschein und sie gingen darauf zu. Die Luft wurde ebenfalls besser, und änderte sich von fauliger-ohnmacht in frischen-atembaren Sauerstoff.
Automatisch kneifte Falcon seine Augen zu, um nicht von der grellen Sonne geblendet zu werden.
Sie waren wirklich durch ein unterirdisches Gefängnis gegangen und nach dem Sonnenstand mußte es früher Nachmittag sein. Nur einzelne Wolken trübten den Himmel.
Er fand sich inmitten einer prächtigen Burg wieder und irgendwoher kannte Falcon diesen Ort, aber er war sich nicht sicher wo in seinem Gehirn sich diese Erinnerung befand. Als er über die Schulter sah, um seine beiden Begleiter besser in Augenschein nehmen zu können fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Beide trugen auf ihrem Brustpanzer das königliche Wappen von Lord Blackthorn, außerdem hatten beide in ihrer linken Hand eines der berühmten Chaosschilder.
Jetzt erkannte der Magier wo er war, in der Chaos-Inselfestung in Britain.

Sie stießen ihn weiter vorwärts auf ein offenes steinernes Tor zu, welches anscheinend ins Innere der Festung führte. Schon die Eingangshalle war prächtig geschmückt und überall prangten Serpent Crests und Chaos Symbole und der Boden war zum größten Teil mit wertvollen Teppichen ausgelegt. Die Chaos Guards deuteten ihm an hier zu warten.

"Ah, da ist ja unser Eindringling !"
Falcon fuhr zu der großen Marmortreppe herum welche ein Stockwerk höher führte.
Zwei Männer kamen herunter und schon an ihrem Gang konnte er erkennen, daß beide Führungspersonen waren.

warr3.GIF (17176 Byte)Den rechten Mann erkannt er sofort und hätte sich am liebsten auf ihn gestürzt, es war der aalglatte Außenminister der SUN. Falcon wandte seine Aufmerksamkeit dem Linken der beiden zu und erkannte auch diesen sofort. Beinahe automatisch nahm er Haltung an und salutierte vor Lord Blackthorn.
Er war nach Lord British der berühmteste und mächtigste Mann in ganz Britannia und Führer der Chaos Guards. Seine schwarze Haare und sein ebenso schwarzer Schnurrbart paßten zu seiner inoffiziellen Amtsrobe mit dem Serpent Crest.

Der SUN war formeller gekleidet, in einer Plattenrüstung auf welchem das SUN-Wappen zu sehen war. Außerdem trug er einen roten Umhang und ein Viking Schwert in einer Scheide am Gürtel. Seinen Helm hatte sich der SUN unter seine Schulter geklemmt.

"Stehen sie bequem.", sagte Blackthorn mit beinahe väterlicher Stimme und Falcon senkte seinen Arm.
"Ich weiß, daß sie viele Fragen haben, aber bitte gedulden sie sich noch etwas Sir Falcon.
Zuallererst, wir wissen von ihrer Verurteilung durch die Guardian Angels und ihrem Exil. Folgen sie mir doch bitte beide in den Saal."

Die drei Männer gingen durch eine riesige mahagoni Tür in einen weiteren Teil des Schlosses, der offenbar als Blackthorne´s Aufenthalts- und Arbeitsraum fungierte. Die Wände waren bis unter die Decke auf drei Seiten mit Bücherregalen versehen, welche, wie Falcon flüchtig erkannte, eine der besten Bibliotheken darstellte die er je gesehen hatte. Gerne hätte er sich einige Bücher über Magie ausgeliehen, aber das war wohl Wunschdenken. Der Außenminister schien nicht im geringsten beeindruckt.

Die vierte Seite des Raumes wurde von einem riesigen Panoramafenster beherrscht welches den Blick auf die weitläufigen Gartenanlagen freigab. In der Mitte des Raumes stand ein riesiger und massiver Holztisch. Ein thronartiger bequemer Sessel stand auf der einen, zwei normale gepolsterte Sessel auf der anderen Seite des Tisches.

"Ich gratuliere ihnen MyLord zu dieser beeindruckenden Sammlung an Literatur", sagte Falcon.

Blackthorn hatte sich auf seinem Sessel niedergelassen und bot Falcon und dem SUN zwei Kelche mit Wein an, er selbst hatte sich schon einen genommen und nippte leicht daran.
"Ja, eine der größten Sammlungen in Britannia. Setzen sie sich doch bitte."

Falcon und der SUN nahmen auf den Sesseln Platz. Der Magier machte es sich bequem, doch der Außenminister rutschte nervös auf dem Stuhl hin und her.

"Lassen sie uns nun zum eigentlichen Thema kommen. Sir Falcon, die Angels haben sie als Verräter gebranntmarkt und ich weiß von unserem Freund hier, daß sie niemals Informationen an die SUN weitergegeben haben. Die Frage ist nun, was sollte das ganze ?", fragte Blackthorn und zog eine Augenbraue nach oben.
"Ich werde versuchen die Situation zu beschreiben. Ich weiß selbst, daß ich nie Infos an die SUN weitergeleitet habe, aber trotzdem wurden gewisse Gerüchte in Umlauf gebracht ich hätte mich bestechen lassen. Dann wurden schließlich noch mehrere zehntausend Goldstücke in meinem Besitz entdeckt, welche ich eigentlich gar nicht haben dürfte. Das hat für eine Anklage gereicht und nun bin ich hier. Vielleicht weiß unser Freund von der SUN hier, wer diese Gerüchte in Umlauf gebracht hat und mir das Geld unterschob.", Falcon sah den Außenminister streng an, aber dieser ignorierte ihn vollkommen.

"Nun eine Frage meinerseits MyLord, warum bin ich überhaupt hier ?"
Blackthorne und der SUN tauschten kurze Blicke aus. Der Außenminister atmete kurz ein und richtete seinen Blick auf Falcon.

"Also gut, Sir Falcon. Da sie nun verständlicherweise ohne Heim, Hab und Gut und ohne Ausrüstung seit, wollten wir Euch anbieten den SUN beizutreten."

Langsam stieg die Wut in Falcon nach oben, aber er hielt seine Stimme in neutralem Tonfall.
"Und was sollte ich da für sie erledigen ?", fragte Falcon den SUN, obwohl sein Blick weiterhin auf Blackthorn gerichtet blieb.

"Durch ihre außerordentliche Kampferfahrung und ihre große Magiekenntnisse würden wir sie als Lehrmeister unserer Neumitglieder einsetzen, dieselbe Aufgabe die Sie auch schon bei den Guardian Angels mit Bravour ausgeführt haben."-
"Ihr Geheimdienst scheint ja gut zu funktionieren.", meinte Falcon knapp.

Blackthorn beugte sich vor und stützte seine Ellenbogen auf dem Tisch ab.
"Sir Falcon, ich weiß diese Vorstellung erscheint ihnen zutiefst absurd, aber lassen sie es mich bitte erklären. Ich kenne sie schon seit damals, als sie in die Reihen der Chaos Guards eintraten, vor und während ihrer Zeit in der Gilde der Angels. Sie waren einer der erfolgversprechendsten Rekruten meiner Guards und hätten es weit bringen können, aber sie entschieden sich dagegen. Nun, sagen wir es so, ich würde ihnen die Wiederaufnahme in die Chaos Guards als Corporal gestatten und ihre Aufgabe wäre es als Verbindungsmann zur SUN zu fungieren. Dazu müssen sie zum SUN Hauptquartier reisen, welches unser Freund hier bald aufsuchen wird um seinem Herrn Bericht zu erstatten. Um die Situation voll zu verstehen, warum wir das alles tun, muß ich noch weiter ausholen.

Sie sind damals in die Chaos Guards eingetreten um Lord British und seinen Order Guards zu trotzen und um die Tugenden aufrecht zu erhalten. Ich gebe ihnen die Chance das wieder zu tun. Lord British ist in letzter Zeit viel zu mächtig geworden und die Gildenallianz der Guardian Angels, der Gilde der Freiheit und der White Hawks ist einer seiner größten Trümpfe. Sie sind seine treuesten Verbündeten und haben einen Eid auf ihren Lehensherrn geleistet. Wenn sie nun für mich als Vermittlungsmann zu dem größten Feind der Allianz, der SUN, arbeiten wäre das ein herber Schlag für Lord British. Sie sind sich dessen vielleicht nicht bewußt, aber sie sind sehr bekannt, nicht nur unter dem normalen Volk. Viele loyale Regierungsmitglieder kennen und schätzen sie sehr hoch ein. Sie sind auch für Lord British kein Unbekannter. Während ihres Aufenthaltes im SUN Hauptquartier würden sie die Aufgabe übernehmen die Neurekruten der Gilde auszubilden. Also Sir Falcon, was sagen sie zu diesem Angebot ?", Blackthorn sah Falcon erwartungsvoll an.

Wenn ich dieses Angebot nicht annehme sterbe ich auf den Straßen von Britain vor Hunger, wenn ich es tue verrate ich nun meine Freunde wirklich, aber die Versuchung ist sehr groß Lord British zu schwächen.

"Ja ich akzeptiere, aber unter einem Vorbehalt. Ich werde ihnen keine Geheimnisse der Gildenallianz verraten um Angriffe zu erleichtern, ich will nicht zum Verräter werden."

"Sind sie damit einverstanden ?", fragte Blackthorn den SUN Außenminister.
Dieser nickte, "Ja Mylord."
Der Lord grinste breit, "Also dann lassen sie uns diesen Vertrag mit einem Kelch Wein besiegeln."

Sie stießen gemeinsam an und leerten ihre Kelche. Schließlich verließen Falcon und der SUN Blackthorn um ihre weite Reise ins Gebiet der SUN anzutreten.

Kaum war die Türe geschlossen breitete sich ein bösartiges Grinsen auf Blackthorn´s Gesicht aus.

Du wirst viel mehr tun als Du jemals ahnst, Falcon.

 

 

Kapitel 3

Der Überfall

warrf.GIF (984 Byte)alcon wurde in die Chaos Guards aufgenommen und reiste zusammen mit dem Außenminister zum SUN Hauptquartier südlich von Yew.
Das Lager war riesig und es fehlte jede familiäre Spur wie er sie bei den Guardian Angels so geliebt hatte. Die Rekruten wurden hier in Massen eingezogen, oftmals mit Gewalt und unter härtesten Bedingungen ausgebildet. Demütigungen und Auspeitschen waren als Konditionierungsmaßnahmen im ganzen Lager verbreitet, die Ausbilder waren hart und unnachgiebig.

Falcon war anfangs angewidert von den Maßnahmen, aber mit der Zeit färbte die allgegenwärtige Gewalt immer mehr auf ihn ab. Er wurde genauso hart wie seine Kollegen und tadelte die Rekruten auch für kleine Fehler unnachgiebig.
Da man Falcon trotzdem am Anfang nicht traute wurde ihm ein Beobachter zur Seite gestellt, welcher sein Adjutant wurde, Sir Athas Tyris. Bald stellte sich heraus das dieser aus dem Allianzgebiet stammte und der SUN genauso skeptisch gegenüberstand wie Falcon am Anfang. Er war der Sohn eines der berühmtesten Gildenführers den die Allianz gehabt hatte, nämlich des gleichnahmigen Athas Tyris von den White Hawks. Sein Vater war damals im Kampf gefallen als eine Gruppe Räuber die kleine Karawane überfiel die mit seiner Mutter und ihm auf dem Weg zurück ins Allianzgebiet war. Auch seine Mutter fand dabei den Tod und er wurde von einer alten Frau nahe Yew großgezogen. Von seinem Vater blieb ihm nur seine Rüstung und sein Schwert.
Falcon fragte sich wie Tyris mit dieser Einstellung und Geschichte soweit in der SUN aufsteigen konnte.

Inzwischen war ein Jahr vergangen und der Krieg mit der Allianz war fortgeschritten.
Man hatte mit beiderseitigen kleineren Überfällen auf rein militärische Außenposten begonnen, doch diese Attacken hatten sich von Seiten der SUN zu einem blutigen Gemetzel verwandelt. Immer öfter wurden Zivilpersonen zu Opfern und beide Seiten scheuten nicht davor zurück Verräter zu exekutieren.

Schon nach kurzer Zeit begann Falcon an Überfällen auf Allianzposten teilzunehmen und es gefiel ihm wieder in der Hitze des Gefechts zu sein.
Er kommandierte dabei fast immer einen kleinen Kommandotrupp und sein Stellvertreter bei diesen Überfällen war ein junger Mann namens McBride. Er hatte ihn ein Jahr lang ausgebildet und war als einziger aus einer Gruppe von einhundert Rekruten am Ende übriggeblieben.
Auch hatte Falcon bemerkt, daß man außer Athas noch jemand anderen mit seiner Beobachtung beauftragt hatte. Er war in seine Einheit eingeschleust worden und überwachte jeden Schritt Falcon´s in der Hoffnung eines Tages einen Fehler zu finden um Falcon als Verräter exekutieren zu lassen.
Der Magier war sich jedoch nicht ganz sicher welches Mitglied seiner Truppe dieser Beobachter war.

Nebel zog über die Ebene. Auf einer kleinen Anhöhe nahe eines Waldes stand der Allianzvorposten, der als Ziel des heutigen Angriffs vorgesehen war.
Falcon kniete sich ins feuchte Gras und blickte in Richtung des Vorpostens. Alles war ruhig, auf den Türmen patroullierten einige Wachen, nichts womit sein Team nicht fertig werden würden, aber dennoch hatte Falcon diesmal ein ungutes Gefühle. Es war zu ruhig. Ihnen waren auf ihrem Weg keinerlei Allianz-Patroullien begegnet wie sonst immer. Ebenso schien die Festung eher schwach gesichert zu sein, obwohl sie direkt in der Grenze zum SUN Gebiet stand.

Falcon sah die fünf Bogenschützen seiner fünfzehn Mann starken Truppe in Stellung gehen, jeder war ein Meister seiner Kunst und sie würden die Turmwachen lautlos ausschalten können.
Hinter ihm saßen abwartend Athas und McBride.

Die Schwertkämpfer und Magier waren schon in Stellung gegangen und hatten sich an den Vorposten so gut es ging herangeschlichen.
Falcon stieß einen lauten Pfiff aus und im selben Moment schossen die Bogenschützen auf die Wachen und alle Fünf fielen leblos zu Boden.
Die Magier hatten schon ihre Zauber angestimmt und eine gewaltige Explosion zerfetzte das große Holztor in tausend kleine Splitter. Die Schwertkämpfer stürmten in die Burg gefolgt von den Bogenschützen, Magiern sowie Falcon´s Führungsgruppe. Alle drei zogen ihre Schwerter, aber als Falcon in die Burg rannte war fast alles schon vorbei. Überall lagen tote Körper in den Rüstungen der Allianz auf dem Boden, durchbohrt von Schwertern oder Pfeilen.

Plötzlich schrie im einer seiner Männer, der auf den Mauern stand um nach Verstärkungen Ausschau zu halten, etwas zu.
"Allianztruppen im Anmarsch !"

Falcon rannte auf den Ausgang der Burg zu und spähte um die Ecke. Was er sah ließ im das Blut in den Adern gefrieren. Es waren mindestens zwei Kompanien im Anmarsch, beinahe fünfzig Mann.

"Irgendjemand hat uns verraten", hörte er Athas im Hintergrund schreien.
Einige seiner Bogenschützen, welche von den Türmen aus versuchten die Masse der Allianzkämpfer aufzuhalten waren bereits gefallen. Einer war von einem Feuerball in Brand gesetzt worden und lag verkohlt am Boden.

"Wir sind hier total schutzlos, Sir, daß Tor ist zerstört, ein Moongate ist unsere einzige Hoffnung.", schrie ihm McBride über den Schlachtlärm zu.
Er drehte sich um und rannte zurück in den Vorposten und im selben Moment schlugen hinter Falcon die ersten Meteorschwärme und Pfeile ein. Die ersten Allianztruppen stürmten schon durch die Tür und überrannten ohne Rücksicht alle seiner Schwertkämpfer und Bogenschützen die sich ihnen in den Weg stellten.

"Kommt hier rein!", schrie Falcon, McBride und Tyris zu und lief in Richtung einer offenen Tür die in einen der vier Festungstürme führte. Er rannte durch die Tür und wartete auf McBride und Tyris bevor er diese mit einem schweren Riegel verschloß.
Im nächsten Moment griff der Magier in seinen Reagenzienbeutel und zog seine Rune aus einem kleinen Beutel an seinem Gürtel.

"Vas Rel Por", erklangen die magischen Worte und schon erschien ein blaues Moongate in der Mitte des Raumes, welches diesen in ein unheimliches Licht tauchte.
Tyris war als erster durch das Gate und McBride folgte ihm sofort. Kurz bevor Falcon in das Gate treten konnte explodierte die Tür. Er schaffte es gerade noch in die wohlige Wärme des Parallelraumes zu treten bevor die tödlichen Pfeile ihn durchbohren konnten.
Ihm wurde schwindlig, aber er schritt stetigen Schrittes weiter durch das verwirrende Blau dieser anderen Dimension.
Kurz darauf fand Falcon sich im Lager der SUN wieder, zusammen mit Tyris und Sir McBride.
"Jemand wird dafür bezahlen.", brach es aus ihm hervor.

Am nächsten Tag hatten sich alle Rekruten in Reih und Glied auf dem Vorhof versammelt. Auf einer kleinen Tribüne standen der Lagerkommandant und ein Ratsmitglied der SUN. Vor ihnen knieten Falcon, McBride und Tyris.

"Erheben sie sich.", befahl der Kommandant.
Alle drei richteten sich auf und nahmen Haltung an. Das Ratsmitglied hielt sich im Hintergrund und beobachtete die Situation offenbar ohne allzu großes Interesse.
"Sie drei sind die einzigen Überlebenden einer SUN-Kommandogruppe. Das Ziel war einfach - einen Allianzvorposten zu überfallen. Jedoch...", der Kommandant machte eine Pause und sah jeden der kleinen Gruppe mit eisigem Blick an,"...schien diesmal nicht alles so glatt zu laufen. Nach den Berichten die wir von jedem von ihnen erhalten haben schien die Allianz mit einem Angriff auf diesen speziellen Vorposten gerechnet zu haben. Sie wurden in einen Hinterhalt gelockt. Das bedeutet es gibt einen Verräter unter uns."
Der Kommandant wartete etwas um die Worte einwirken zu lassen.

"Die Situation gestaltet sich einfach, nur sie drei sind zurückgekehrt und sie sind die einzigen Überlebenden die von dem Angriff wußten. Das bedeutet einer von ihnen ist es. Wir haben auch schon genug Beweise gesammelt um eine bestimmte Person zu nennen."
Ein Grinsen breitete sich auf McBrides Gesicht aus, wohingegen das von Tyris teilnahmslose Furcht und Angst zeigte. Falcon war ausdruckslos wie immer.

"Sir McBride!", sagte der Kommandant.
"Ja Mylord."-
"Wie konnten sie uns so etwas antun ? Sie genossen unser absolutes Vertrauen - bringt die Beweise!"
McBride´s Grinsen hatte sich in eine Fratze der Angst verwandelt.

Ein Rekrut in Plattenrüstung kam die Treppe der kleinen Tribüne hoch und schleifte einen Gefangenen hinter sich her. Dieser machte einen erbärmlichen Eindruck, er blutete aus mehreren Wunden und war nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Hände waren zusammengekettet und der Mann fiel auf den Boden der Tribüne.

"Dieser Mann hat bei freiem Willen ausgesagt, daß sie – McBride - ihn beauftragt haben der Allianz geheime Informationen zu überbringen – und sie wissen wie wir mit Verrätern umgehen."
Der Kommandant zog sein Schwert aus der Scheide an seinem Gürtel und ließ es kurz in der Morgensonne blitzen. Im nächsten Moment wurde der Mann am Boden von der scharfen Klinge durchschnitten und blieb in einer größer werdenden Blutlache liegen.
Der Lagerkommandant reichte sein Schwert dem Rekruten um es zu säubern und wandte sich wieder an McBride, welcher teilnahmslos auf den toten Körper des Mannes starrte.

"Sir Falcon. Würden sie bitte ihre Pflicht tun ?"
Der Rekrut, welcher das Schwert gesäubert hatte, überreichte es Falcon. Dieser wiegte es kurz in seiner Hand und betrachtete den verzierten Griff und die wundervolle Klinge.
Tyris war einen Schritt zur Seite gegangen und der Rekurt hatte sich hinter McBride gestellt, der immer noch unfähig war zu sprechen und zu verstehen. Der Magier stellte sich vor McBride und zeigte mit dem Schwert auf ihn.

"Aber...aber...ich kenne diesen Mann doch gar nicht !", schrie er in panischer Angst.
Der Kommandant nickte Falcon zu und dieser durchbohrte, in einer flüssigen Bewegung, McBrides Brustkasten.
Stöhnend und mit vor Angst verzerrtem Gesicht fiel der leblose Körper zu Boden. Falcon zog das Schwert heraus und überreichte es wieder dem Rekruten.
Offenbar zufrieden verließ das SUN Ratsmitglied die Tribüne und schritt davon.

 

Kapitel 4

Das Gipfeltreffen

warrd.GIF (981 Byte)er Krieg trat nun in die entscheidende Phase und die Verluste militärisch wie auch zivil waren auf beiden Seiten verheerend. Um diesem Blutvergießen Einhalt zu gebieten hatte Lord British eine Versammlung der Gildenführer anberaumt. Diese würde in Britain, im Schloß von Lord British, stattfinden und somit auf neutralem Boden.

Es war inzwischen Winter geworden und ganz Britain erstrahlte in sauberstem Weiß. Die Gildenführer waren mit ihren Beratern schon eingetroffen und vor der großen Versammlung würde es zuerst eine kleine Feier im Thronsaal geben.

Falcon trat durch die Tür in den riesigen Saal welcher für die Party ausgestattet worden war. Die Feier war schon in vollem Gange und man schenkte ihm kaum Beachtung. Seine schwarze Plattenrüstung schimmerte im Fackelschein und auf seiner Brustpartie prangte das Wappen der Chaos Guards, welches einen krassen Gegensatz zu den Abzeichen der Order Guards, welche hier im Thronsaal hingen, darstellte.
Sein roter Umhang fiel über seine Schultern. Er trug kein Schwert, es waren keine Waffen gestattet bei dieser Feier, wenn man doch eine trug mußte man sie bei den Order Guards am Eingang abgeben. Diese hatten Falcon einige mürrische Blicke zugeworfen, ihn jedoch passieren lassen.

Der Thronsaal war riesig und vollgestopft mit hohen Persönlichkeiten und Möchtegern-Rittern aus ganz Britain. Lord British saß auf seinem Thron und begrüßte jeden Neuankömmling.
An der Wand hingen prachtvolle Waffen und Schilde. Wertvolle Teppiche waren im gesamten Raum verteilt, welcher mindestens dreißig Meter lang, zwanzig Meter breit und fünf Meter hoch sein mußte.
Rechts hinter ihm bemerkte er Athas Tyris welcher die Ausgehuniform der SUN trug. Eine silberne Plattenrüstung mit dem SUN-Wappen auf der Brustplatte und einem roten Umhang.
Beide Krieger trugen ihre Helme unter dem Arm und schritten festen Schrittes in Richtung Lord British´s Thron.
Falcon bemerkte wieder einmal wie Athas, seit dem Tod von McBride gereift und erwachsen geworden war, aber seine Abneigung gegen die Praktiken von Falcon und der SUN waren eher noch stärker geworden.
Am Thron angekommen verbeugte sich der Chaos Guard vor Lord British.

"Ich freue mich sie zu sehen.", sagte der Lord, erhob sich von seinem Platz und schritt die Stufen hinab.
Trotz seiner fünfundfünzig Jahre strahlte der Herrscher von Britannia eine ebensolche Würde aus, wie Falcon sie damals bei Lord Blackthorn gesehen hatte. Er hatte blondes Haar, welches er kurzgeschnitten trug und einen Schnurrbart.
Der Lord machte trotz seiner freundlichen Ausdrucksweise eher ein angewidertes Gesicht.
Falcon war ein Dorn in seinem Auge geworden. Einer der treuesten Mitglieder einer loyalen Gilde hatte sich zu einem Monster der Chaos Guards gewandelt, daß war die Ansicht des Lords über Falcon.
Dennoch Gebot es die Ehre ihn zu begrüßen.

"Es ist mir eine Ehre, MyLord. Ich freue mich an ihrer Feier teilnehmen zu können. Darf ich ihnen Athas Tyris vorstellen.", Falcon zeigte auf Athas.
"Achja Tyris, der Sohn des einstigen Führers der White Hawks. Willkommen."-
"MyLord.", erwiderte Athas die Begrüßung kurz und verbeugte sich förmlich.
"Bitte nehmen sie doch nun an der Feier teil, ich bin mir sicher sie werden sich amüsieren."

Er ist ganze der förmliche Gastgeber, dachte sich Falcon, verbeugte sich nochmals kurz und mischte sich dann zusammen mit Athas unter die Gäste.

Falcon war die Gespräche leid geworden. Er hatte sich in eine Ecke des Raumes zurückgezogen und beobachtete nun das Treiben um ihn herum. Athas war anscheinend sehr mit einer jungen adligen Dame beschäftigt und Falcon hoffte nur das der Junge keine Dummheiten machte. Sie trug ein schwarzes Abendkleid, hatte schwarzes Haar und einen dunklen Teint.
Innerlich grinste er. Athas erinnerte ihn so sehr an seine eigene Jugend.

Er nippte kurz an seinem Wein und sah wie sich die großen Flügeltüren des Eingangs wie sooft zuvor öffneten. Doch diesmal schritten zwei ihm wohlbekannte Personen durch die Tür. Beide trugen die silberne Ausgehrüstung mit dem Wappen der Guardian Angels. Ihre goldenen Umhänge schleiften etwas über den Boden als sie auf Lord British´s Thron zuschritten.
Er hatte sie seit gut zwei Jahren nicht mehr gesehen, aber er erkannte Sir Babba und Sir Cedric ceTarn sofort.

Der Guildmaster der Angels war sichtlich gealtert, seitdem Falcon die Gilde verlassen hatte. Warscheinlich die Härte des Krieges dachte er sich. Cedric hingegen wirkte jung und dynamisch, er würde eines Tages zum Gildenrat gehören, daß wußte Falcon schon damals als er ihn als Rookie ausgebildet hatte.

Das Gespräch zwischen Lord British und den beiden Angels war nur kurz und beschränkte sich scheinbar auch auf die üblichen Höflichkeitsfloskeln, dachte er sich. Als beide sich vom Thron entfernten leerte Falcon sein Glas Wein und schritt auf Babba zu. Als dieser ihn bemerkte verfinsterte sich sein Blick sichtlich.

Beide standen sich Auge in Auge gegenüber und die Gäste bemerkten die eisige Stimmung zwischen den beiden Kriegern und entfernten sich von ihnen, was einen Kreis um die beiden alten Freunde bildete. Falcon grinste.

"Hail thee, Sir Babba."
Er benutzte die förmliche Anrede, was Babba zu einer Erwiderung zwang.
"Hail, Sir Falcon.", erwiderte dieser mit eiskalter Stimme.

Cedric und Athas hatten bemerkt was vor sich ging und hatten sich zu den beiden, durch die Masse der Gäste, vorgearbeitet, blieben jedoch am Rande des leeren Kreises stehen.
Es vergingen einige Minuten.

"Du weißt es kann keinen Frieden mit einem Kompromiß geben, Falcon. Zu viele sind auf unseren Seiten gefallen. Die Toten müssen Genugtuung erhalten."-
"Die Toten sind Vergangenheit.", meinte Falcon, "Ich denke nicht das wir eine so wichtige Entscheidung auf sie stützen sollten."-
"Du verletzt das Angedenken an die Gefallenen, mein Sohn."-
"Ich bin nicht ihr Sohn und ich habe meine eigene Ansicht der Dinge entwickelt."
Babba schritt auf Falcon zu und an ihm vorbei, Cedric folgte ihm dicht auf.
Der Chaos Guard grinste und griff sich einen weiteren Kelch mit Wein von dem Tablett eines Kellners, welcher gerade an ihm vorbeiging.

Das morgige Gespräch könnte lustig werden, dachte er sich.

Was er nicht sah, war Lord Blackthorn der ein Lachen unterdrücken mußte und mit einem bösen lächeln in einer anderen Ecke des Raumes stand.

Am nächsten Tag hatten die Gespräche begonnen.
Der Thronsaal war gesäubert worden und man hatte mehrere schwere Eichenholztische in den Raum gestellt, welche zu einem Viereck angeordnet worden waren. Auf der rechten Seiten saßen die zwei Führer der SUN zusammen mit Falcon und Athas. Auf der linken Seite hatten sich Babba, Cedric ceTarn und Sir Gil Galad der Führer der Gilde der Freiheit niedergelassen.
Die junge Frau, welche das Allianz-Quartett vervollständigte hatte Falcon schon am Vorabend auf der Party gesehen, als sie mit Athas gesprochen hatte, die beiden schienen sich schon länger zu kennen und das Wappen auf ihrer Rüstung wies sie als Mitglied der Gilde der Freiheit aus. Als er den Ring an ihrer rechten Hand erblickte gab er aber sofort jede Hoffnungen auf, aber wie er in den Gesprächen erfuhr handelte es sich um Sandra Mac Beth, welche mit einem der Führer der Gilde der Freiheit verheiratet war.
Er machte sich eine geistige Notiz Athas vor verheirateten Frauen zu warnen, aber woher Tyris sie kannte war ihm immer noch ein Rätsel.
An der Kopfseite zur Thronempore hin, saß Lord British zusammen mit zwei seiner engsten Berater. Gegenüber hatte sich Lord Blackthorn zusammen mit zwei hochrangigen Chaos Guards niedergelassen und beobachtete interessiert das Geschehen.

Es vergingen mehrere Stunden des Debattierens über einen möglichen Waffenstillstand und einen Friedensvertrag, doch die Vorstellungen gingen zu weit auseinander.
Falcon hielt sich im Hintergrund und beobachtete den Raum, einmal meinte er kurz eine Gestalt gesehen zu haben, welche in eine lange rote Robe mit Kapuze und Goldstreifen gekleidet war. Sie stand einen Stock höher und schien das Geschehen genauso wie Falcon zu beobachten. Doch diese Gestalt verschwand so schnell wie sie gekommen war.
Athas versuchte helfend in das Gespräch einzugreifen um einen Friedensvertrag zu erreichen doch er schaffte es nicht.

Er hält zuviel vom Frieden, dachte Falcon.

Das Gespräch wandelte sich langsam von einem Friedensvertrag zu einem verhandeln über die Bedingungen für eine Endschlacht. Die Allianz im Kampf gegen die SUN auf einem neutralen Schlachtfeld. Der Gewinner würde den Sieg für sich entscheiden und damit einen Großteil der Ländereien und eine großzügige Reparation der Verlierergilde erhalten.
Die Schlacht würde direkt an der Grenze der beiden Gebiete stattfinden, direkt an der Meerenge bei Cove, kurz östlich der großen Wüste. Bis dahin würde ein beidseitiger Waffenstillstand gelten.

Beide Gruppen akzeptierten die Bedingungen unterschrieben und besiegelten einen Vertrag in dem alles festgehalten war, was der Sieger erhalten und der Verlierer abgeben mußte.
Jede Seite die diesen Vertrag nicht einhält, würde von Lord British enteignet und ihre Länderreihen von den Chaos und Order Guards besetzt werden.
Man verzichtete beidseitig auf den normalen Handschlag der einen solche Vertrag abschloß und die beiden Gildengruppen verließen gleichzeitig den Raum und machten sich daran ihre Kriegsvorbereitungen zu treffen.

 

Kapitel 5

Gut und Böse

warrn.GIF (1017 Byte)achdem alle Gildenführer den Raum verlassen hatten saßen nur noch Lord British und Blackthorn im Thronsaal. Sie deuteten beide ihren Wachen an hinauszugehen und die Türen hinter sich zu schließen.
Blackthorn wechselte die Seite des Tisches und nahm sich neben Lord British einen Stuhl. Als das getan war betraten vier Gestalten den Raum, sie alle waren in die selbe Art von Roben gehüllt mit goldenen Streifen an den Arm- und Robenenden und eine Kapuze verdeckte ihre Gesichter.
Zwei der Personen waren in rote, zwei in blaue Roben gehüllt. Alle ließen sich gegenüber den beiden Lords von Britannia nieder. Blackthorne war immer wieder erstaunt, daß man nicht einmal ihre Schritte hören konnte.

"Willkommen MyLords. Ich freue mich das sie Zeit gefunden haben sich mit uns hier zu treffen.", begrüßte sie Lord British.
"Unsere Zeit ist knapp und wir alle wissen von unseren Problemen also lassen sie uns zur Sache kommen.", antwortete eine der rot gekleideten Gestalten schroff.
"Wir sind damit beauftragt das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse in Britannia aufrecht zu erhalten, sonst würde die Welt aufhören zu existieren. Wenn eine der beiden Gilden diese letzte Schlacht gewinnt, wird sich das Gleichgewicht in eine der beiden Richtungen verschieben."
"Dem sind wir uns bewußt.", erwiderte Blackthorn.
"Und was haben sie geplant um diese Verschiebung aufzuhalten ?", fragte der andere Rotgekleidete.
"Wir werden unsere Order und Chaos Guards je nach Verlauf der Schlacht beidseitig eingreifen lassen, obwohl wir sicher sind das es zu einer Patt-Situation kommen wird. Beide Seiten sind beinahe gleich stark."
"Ich hoffe für Ihr Wohlergehen das sich das ganze so entwickeln wird wie sie es sich denken.", sagte der erste Rotgerobte eiskalt.

Alle vier Gestalten standen gleichzeitig auf und verließen ohne eine Verabschiedung den Raum und schlossen die Türen. Die beiden Lords sahen sich gegenseitig in die Augen und beide konnten die Angst in den Augen des anderen sehen.

 

Kapitel 6

Armageddon

warrm.GIF (1246 Byte)an brauchte fast sechs Monate um die Schlachtvorbereitungen abzuschließen.

Die Streitkräfte waren gewaltig. Dutzende Regimenter an Fußtruppen, Reitern, Magiern und Bogenschützen hatten auf beiden Seiten der Grenze ihre Lager aufgeschlagen.
Auch die beiden Lords von Britannia mit einer größeren Anzahl ihrer Elite-Leibgarde waren eingetroffen und verbrachten nun die letzte Nacht vor der Schlacht in ihren Lagern.

Hinter den Linien der Angels saßen mehrere Freunde zusammen am Lagerfeuer.
Babba, Yerodin, Thomas, Cedric, Conan, Belgarath, Goliath, Mike und Tika waren anwesend.
Es war pechschwarze Nacht, das Lagerfeuer knackte leise vor sich hin und erhellte die Gesichter der darum Sitzenden.

"Also", begann Babba, "wir haben ja schon zuvor tausende Male alle Einzelheiten der Schlacht durchgesprochen und ich will Euch das nicht nochmals vorbeten. Es gibt nur einen Grund für dieses Treffen. Cedric, wir haben nun endlich eine Aufgabe für deine Kommandotruppe. Du mußt während die Schlacht im Gange ist hinter die SUN-Linien kommen und etwas dort abholen."
Cedric klappte die Kinnlade herab. Ein Ausflug hinter die SUN-Schlachtreihe war eigentlich nicht das was er sich erhofft hatte, außerdem ließ er dabei seine Gilde im Stich.
"Und darf ich fragen was wir dort abholen sollen ?", fragte er.
"Den Spion der uns seit Jahren solide und vertrauliche Informationen über SUN Truppenaufstellungen zukommen läßt. Er hat uns eine Aufstellung ihrer Schlachtreihe gesendet und nun müssen wir ihn da rausholen. Er wird an einem Punkt nahe des SUN Feldhauptquartiers auf Eure Gruppe warten, dieser ist auf der Karte hier eingezeichnet, wenn er nicht dort erscheint, ist etwas schiefgelaufen und ihr müßt ins SUN Lager vorrücken und ihn abholen."-
"Wie erkennen wir ob es unser Mann ist ?"-
"Dafür wurde auch gesorgt, er wird Euch ein Codewort nennen, wenn er Euch sieht und seine Arme heben, also haltet Euch mit Euren Bögen und Schwertern etwas zurück. Das Codewort lautet Armageddon."-
"Wir werden es versuchen.", erwiderte Cedric.
"Nicht versuchen", brach es aus Belgarath hervor, "tut es oder tut es nicht, es gibt kein Versuchen."-
"In Ordnung, ich habe es verstanden.", Cedric nickte Belgarath zu, der dies erwiderte.
"Also, damit wäre dieses Treffen beendet. Gönnt Euch nun etwas Schlaf, der morgige Tag wird der längste unseres Lebens werden.", entließ Babba die gesamte Gruppe.

Falcon saß ebenfalls am Lagerfeuer, aber auf der anderen Seite der Grenze.
"Du wirst eine Spezialtruppe leiten die nach Beginn der Schlacht aus dem Hauptquartier hier aufbricht. Ihr werdet die Allianzlinien umgehen und einen Angriff auf ihre Hauptquartier durchführen.", befahl der SUN-Marshall.
"Jawohl, Sir.", erwiderten Falcon und Athas Tyris im Chor.
"Sehr gut.", der Marshall nickte beiden zu und zog sich in sein Zelt zurück.
"Komm Athas, wir gehen noch kurz in die Taverne, dort sitzen unsere Leute schon beisammen."

Die beiden gingen durch die Dunkelheit in die notdürftig aufgebaute Taverne des Lagers. Es war mehr ein Zelt als eine Taverne, aber im Krieg mußte man nehmen was man kriegen konnte.
Seine gesamte Truppe die er im Morgengrauen hinter die Linien der Allianz führen sollte war dort versammelt.
Falcon stellte sich an den Tresen und deutete dem Barkeeper nach draußen zu gehen.

"In Ordnung Jungs ich geb einen aus.", brüllte Falcon, was ihm einige Jubelrufe seiner Truppe einbrachte.
Er stellte sich zusammen mit Athas hinter die Bar und schickte seinen Adjutanten in die hinteren Räume um einige Flaschen Wein zu organisieren.

Athas brauchte ungewöhnlich lange und Falcon dachte schon er sollte mal nach ihm suchen gehen, aber dann kam er und die beiden begannen auszuschenken. Er und Tyris tranken allerdings keinen Schluck des Weines.

Etwa zwei Stunden später gingen auch die letzten Besucher in ihre Zelte und auch Falcon und Athas gönnten sich etwas Schlaf.

Im Morgengrauen sah Falcon gerade noch die letzten SUN-Truppen zum Schlachfeld aus dem Lager aufbrechen, er und seine Leute hatten noch etwas mehr Zeit und er würde sie noch etwas schlafen lassen.

Ein leichter Nebel lag über der gesamten Ebene die schon bald von Toten übersät sein würde.

Die Allianz stand im Osten, die SUN im Westen, im Süden beobachteten Lord British und Lord Blackthorne zusammen mit ihren Leibwachen das Schlachtfeld von ihren Pferden aus und im Norden hatten sich mehrere der unheimlichen in Kapuzenroben gehüllten Gestalten auf ihren Pferden versammelt.

Babba blickte wieder auf die Schlachtreihe der Allianz. Er empfand einen unglaublichen Stolz und er wußte das seine Männer und Frauen sich gut schlagen würden.
Babbas Pferd stand ruhig auf einer Anhöhe hinter den Truppen der Angels, neben ihm beobachteten Gil Galad und Sir Mythus das Feld.

Langsam erhob sich die Sonne über den Horizont und tauchte die Ebene in ein unheimliches rötliches Licht. Die Truppenansammlung war unglaublich, auf beiden Seiten waren rund zehntausend Mann in Stellung gegangen, die Verluste würden bei dieser Schlacht verheerend sein.
Die Sonne stand nun fast vollständig über dem Horizont aufgegangen, die Schlacht würde beginnen wenn sie voll zu sehen war. Beide Seiten trugen die Fahnen und Farben ihrer Gilden mit Stolz.

Die Sonne war nun vollends zu sehen und beide Seiten stürmten in unglaublichem Geschrei los.
Cedric bahnte sich mit seinem Pferd einen Weg durch den Wald. Das dieser so dicht war stand wieder mal nicht auf der Karte, typisch. In der Ferne hörte er kurz den Schlachtlärm.

Wie viele meiner Freunde fallen in diesem Moment, fragte er sich. Cedric versuchte den Gedanken zu verdrängen, aber es gelang im nicht. Er sollte in der Mitte der Schlacht sein und nicht nach einem Verräter suchen.

Jetzt hatten sie den auf der Karte markierten Punkt erreicht. Es war eine kleine gut zu überblickende Lichtung. Er deutete seinen Leuten sich ins Unterholz zu schlagen. Sie würden erst mal einige Zeit warten bevor sie ins SUN Lager vorstießen.

Auf einmal wurde Falcon von merkwürdigem Geschrei im Lager aufgeschreckt. Als er aus seinem Zelt rannte erkannte er das Athas die Quelle war. Er rannte auf Falcon zu und war total außer Atem als er kurz vor ihm zum stehen kam. Auch Tyris hatte sich schon in seine Kampfrüstung gekleidet.

"Sir", begann der junge Mann, "alle unsere Leute, sie...sie..."-
"Sprich weiter Athas."-
"Sie sind tot, Sir. Sie liegen alle leblos in ihren Zelten.", schrie er es fast heraus.
Falcon´s Gesicht blieb ausdruckslos, "Also war McBride doch nicht der Verräter."
Er zog sein Schwert und richtete es auf Tyris Brust.
"Ich habe Dich schon in Verdacht seit Du damals mit dieser jungen Frau auf dem Gipfeltreffen gesprochen hast. Ihr scheint alte Freunde gewesen zu sein."
Bevor Athas etwas erwidern konnte, schnellte Falcon´s Linke Faust hervor und traf ihn am Kopf. Der junge Mann wurde nach hinten gestoßen und blieb ohnmächtig liegen.
Ein lautes Krachen ließ Falcon aufschrecken.

Jetzt war schon geraume Zeit vergangen und Cedric war es leid zu warten. Er bedeutete seiner Gruppe sich in Richtung des nur wenige Kilometer entfernten SUN Lagers vorzuarbeiten.
Nach kurzem Fußmarsch durch den Wald erblickten sie das SUN Lager.
Cedric zog ein Fernrohr aus dem Beutel an seinem Waffengürtel und zog es auf volle Länge aus. Er sah hindurch in Richtung des Lagers, aber es regte sich nichts. Nur zwei Wachen hielten am Eingangstor Wache.
Cedric´s Gruppe ging nun neben der Straße die schnurgerade zum Lager führte weiter durch den Wald so daß die Wachposten sie nicht sehen konnten. Der Wald selbst umschloß das Lager beinahe vollständig, es würde kein Problem werden die beiden auszuschalten.
Als sie nahe genug waren bedeutete er zwei seiner Bogenschützen auf die Wachen zu zielen.
Beide Pfeile trafen und die Ziele fielen leblos zu Boden ohne das es ein Geräusch gegeben hätte. Cedric rannte mit seiner Gruppe zu den Lagertoren und stieß sie auf. Krachend öffneten sich die Tore und gaben den Weg ins Innere des SUN Lagers frei.
Als er hinein stürmte sah er eine Person gekleidet in die Rüstung der Chaos Guards über einem scheinbar toten Krieger stehen, der leblos am Boden lag und das übrige Lager schien verlassen.
Als Cedric Falcon erkannte blieb er stehen und zog seine Armbrust vom Rücken. Ein Bolzen war schon eingelegt und die Waffe spannte sich. Er zielte direkt auf Falcon, als dieser plötzlich die Arme nach oben riß. Cedric zögerte, nein das konnte nicht sein, doch er hörte Falcon nun auch etwas rufen.

"Armageddon."

Falcon ist derjenige der uns die Informationen zugespielt hat und den wir hier rausholen sollen ?
Er konnte es immer noch nicht begreifen.

Falcon schulterte den ohnmächtigen Athas und rannte auf Cedric´s Gruppe zu.
"Ich weiß was Du jetzt denkst, aber ich bin es wirklich. Das hier ist Athas Tyris, der Sohn des ehemaligen White Hawk Gildenführers. Wir müssen ihn mitnehmen.", sagte Falcon als er vor Cedric zum stehen kam.
"Wiso ist das Lager so ausgestorben ? Nur zwei Wachposten standen am Eingangstor."-
"Ich habe sie in der Nacht mit Wein vergiftet.", sagte der Chaos Guard knapp, "Gehen wir, die Allianz hat eine Schlacht zu gewinnen."

Die gesamte Gruppe verließ das ausgestorbene SUN Lager und sie rannten in Richtung der SUN Schlachtreihe.

"Aber dieser Weg führt uns genau in den Rücken der SUN-Truppen.", keuchte Cedric als er neben Falcon herlief.
"Ich weiß, aber das ist die effektivste Art diese ganze Angelegenheit zu beenden."
Der Schlachtlärm wurde lauter und sie näherten sich einer kleinen Anhöhe.
Kurz bevor sie darüber hinweg liefen knieten sich alle Krieger ins feuchte Gras. Falcon legte Athas behutsam weiter unten auf der Ebene ab und sprach schnell die Zauberworte "Des Mani" auf den jungen Mann.

Nicht das Du uns hier wegläufst.
Dann begab er sich auch auf die Anhöhe um die dort tobende Schlacht zu beobachten.
Sie fanden sich ungefähr zweihundert Meter hinter der SUN Schlachtreihe wieder und konnten auch die Ratsmitglieder der SUN sehen welche das Spektakel verfolgten.

Cedric sah durch sein Fernrohr.
Es war ein grausiger Anblick. Die gesamte Tiefebene war mit Leichen gepflastert, aber immer noch wütete der Kampf mit voller Intensität. Auch erkannte er Lord British und Lord Blackthorne am Rande der Schlacht und bemerkte auch die gerobten Gestalten auf der gegenüberliegenden Seite der Lords.

"Falcon, wiso sind wir eigentlich bei unserer Umgehung der SUN Linien auf keinerlei Patroullien getroffen ?", er sah den Chaos Guard an.
"Frag nicht.", erwiderte der knapp.
Cedric wollte es auch gar nicht wissen und fragte einen seiner Bogenschützen, "Trefft ihr von hier aus, Conan ?"-
"Ich denke nicht, Ced. Der Wind ist hier außerhalb des Waldes zu stark. Wir müßten uns auf das Glück verlassen und wir haben nur einen Versuch.", erwiderte der dieser.
"Und die Entfernung für die Magier ist auch zu gering, wir müssen näher ran.", stellte Cedric fest.
"Nur ich kann näher ran, Euch würde man sofort bemerken.", Cedric Kopf dreht sich zu dem Mann neben ihm um, es war Falcon.
"Und was tust Du wenn Du dort bist ?"-
"Ich versuche einen kleinen Zauberspruch."-
"Aber bei der Größe und Verstreuung der Gruppe bräuchtest Du mindestens ein...ein...nein das hast Du nicht vor. Sag mir, daß Du das nicht vor hast.", redete Cedric auf den älteren Mann ein.
"Doch genau das.", erwiderte Falcon knapp, richtete sich auf und machte sich auf den Weg zu den SUN. Alle in der Gruppe waren wie betäubt und nur in der Lage die Dinge zu beobachten die vor sich gingen.

Kaum hatte Falcon zwei, drei Schritte gemacht rief auch schon ein Wachposten der SUN seinen Herren etwas zu. Alle drehen sich zu Falcon um, auch wenn sie ihn nicht sofort erkannten, sie sahen nur die schwarze Rüstung der Chaos Guards.

Ich kann nahe genug herankommen – komm schon nur noch ein Stück.
Falcon griff unbemerkbar in seinen Reagenzienbeutel den er immer an seinem Waffengürtel trug und nahm eine Handvoll heraus. Als er wußte er war nahe genug heran stellte er sich gerade hin und streckte die Arme nach vorne von sich.

"In Vas Por Mani", murmelte er. Ein alter Zauberer hatte ihm einmal diesen Spruch beigebracht und Falcon auch eine Warnung zukommen lassen :

Mein Lehrling, benutze diesen Spruch nur in höchster Gefahr. Er kann dich bei seiner Ausführung dein Leben kosten.

Er hatte ihn niemals zu sprechen gewagt, aber nun fühlte er wie die Energie der magischen Gewächse von seinen Händen über die Arme in den Körper floß, mehr Energie als er sich jemals hatte vorstellen können konzentrierte sich nun in ihm. Seine Augen schlossen sich und er senkte den Kopf. Er konzentrierte sich darauf die Energie wieder in seinen Händen zu sammeln.
Wie lange Falcon da stand vermochte er nicht zu sagen, waren es nun Stunden oder nur Sekunden. Schließlich entließ er mit all seiner geistigen Kraft die magische Energie in die Richtung der SUN Gruppe.
Cedric sah Falcon mit dem Rücken zu ihm stehen und um seine Gestalt breitete sich langsam eine blendende Helligkeit aus, sodaß er die Augen abwenden mußte.
Die Macht der beiden Blitze die aus Falcon´s Händen schoßen warf auch ihn und seine Leute auf den Boden. Bevor Cedric sich bewußt werden konnte was geschehen war begann die Erde zu beben.
Er kannte den Erbeben Zauberspruch, aber noch nie hatte er ihn in so einer Intensität erlebt. Sein Blick wanderte zurück auf Falcon und die Gruppe SUN-Truppen zusammen mit ihren Ratsmitgliedern. Noch immer schossen Blitze aus seinen Händen und die Erde tat sich unter den SUN auf und bildete einen gewaltigen Spalt. Menschen und Pferde fielen hinein und gleichzeitig zischten giftige Gase heraus.
Bevor Cedric einmal kurz blinzeln konnte waren alle SUN in dem Spalt verschwunden der mindestens inzwischen die Größe einer Burg angenommen hatte, aber wo war Falcon?
Cedric rannte in die Richtung des Spaltes und da sah er ihn am Boden liegen. Auf den Knien sitzend überprüfte er Falcon´s Puls und Atmung, sehr schwach aber vorhanden.
Erst jetzt fiel ihm die Schlacht selbst wieder ein, er blickte auf die Tiefebene hinab und war erstaunt über die Ruhe welche über diesem Ort lag.

Sämtliche Kämpfe waren eingestellt wurden und alle Krieger, gleich ob Allianz oder SUN, hatten sich der kleinen Anhöhe zugewandt auf dem kurz zuvor der Rat der SUN gestanden hatte.
Viele waren mitten in der Schlacht durch die Gewalt des Zaubers von ihren Beinen gerissen worden und rappelten sich nun mühsam wieder auf.

Es vergingen ungefähr fünf Minuten in denen sich nicht einmal ein Blatt im Wind regte.

Als die Krieger geschockt bemerkten, daß sie nun ohne Anführer waren legte einer nach dem anderen seine Waffen auf den Boden und ergab sich der Allianz.
Cedric nahm Falcon auf die Schulter und deutete seiner Gruppe ihm zu folgen. Conan hatte Athas auf seinem Rücken und die gesamte Gruppe machte sich auf den Weg über das Schlachtfeld zu den eigenen Truppen.

 

Epilog

warrw.GIF (1255 Byte)ieder einmal saßen Lord British und Lord Blackthorn den rotgerobten Gestalten gegenüber und beide fühlten sich unbehaglich dabei.

"Das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse hat sich verschoben und zwar zugunsten des Guten, aber nicht so stark wie wir befürchtet hatten. Durch den Verzicht der Allianz auf die Gebiete der zerschlagenen SUN Gilde wurde größerer Schaden verhindert. Trotzdem müssen wir die Welt wieder in Einklang bringen und das Gleichgewicht wieder herstellen. Es wird mehrere schwere Erdbeben in Britannia geben, das Ziel werden allerdings weder sie noch die Allianz sein.
Durch diese Erdbeben werden sich mehrere Spalten öffnen die in eine neue Welt führen werden. Eine rauhe böse Welt, welche die Waage zwischen Gut und Böse wieder in die Mittelstellung bringen wird."
Kaum hatte er den Satz beendet erhoben sich die vier Gestalten auch schon wieder und verließen lautlos den Raum.

 

Folgende Passage ist frei nach Athas Tyris :

Nachdem er die Festung der Guardian Angels verlassen hatte gab er seinem Pferd die Sporen. Der Wind pfiff ihm ins Gesicht als er in vollem Trab über den kleinen Feldweg durch den Wald ritt.
Er hatte seine SUN Rüstung einschmelzen lassen und hatte statt dessen die alte Rüstung seines Vaters angelegt. Sie paßte ihm wie angegossen und auf seiner Brustpartie trug er mit Stolz den Wappenvogel der White Hawks.

Die Bäume flogen nur so an ihm vorbei und er bog um die letzte Ecke die der Weg schlug und schon konnte er in der Ferne die Türme einer Festung erkennen.
Die blau-weißen Dreiecks-Fahnen knatterten im Wind und aus dem Burginneren kam ihm schon jemand entgegen geritten, der die silberne Rüstung und den blauen Umhang der White Hawks trug.
Beide Reiter blieben voreinander stehen und musterten sich.
Das Gesicht des anderen Mannes strahlte vor Freude, aber Athas hatte ihn noch nie gesehen. Er nahm deshalb seinen Helm ab und das Lächeln des zweiten Reiters verblaßte etwas.

"Wer sind sie mein Herr und wie kommen sie zu dieser Rüstung ?", fragte dieser.
"Ich bin Athas Tyris, der Sohn des verstorbenen Gildenführers der White Hawks und ich habe diese Rüstung von meinem Vater geerbt."

Das Lächeln kam zurück und der Mann verbeugte sich so gut er es konnte auf seinem Pferd.
"Folgt mir doch bitte in unsere Burg, wir haben viel zu bereden."

Langsam ritten sie in die Burg hinein und Athas überkam ein unglaubliches Gefühl :

 

Endlich zu Hause.

E N D E

 

Danksagungen :

Ich danke allen die mir nicht den Kopf abreißen werden wenn sie sich in dieser Geschichte wiederfinden. Ich habe Euch alle wirklich so beschrieben wie ich mir das vorstelle.
Auch die Angaben und Informationen über die Umgebung, Britannia selbst und die Allianz basieren mehr oder weniger alle auf der Wahrheit.

Bitte fangt jedoch nicht an nach dem unterirdischen Gefängnis in Lord Blackthornes Schloß zu suchen das hab ich nur erfunden *g*

Dank auch an Athas Tyris der mir erlaubte seine Geschichte im Epilog mit eigenen Worten nochmals zu erzählen.

Entschuldigung auch an alle GameMaster und Counselor, da ich Euch zu solch anscheinend unheimlichen und finsteren Gestalten degradiert habe *hehe*

 

Widmung :

Diese Geschichte ist Uschi gewidment, meiner Freundin und Betaleserin, die meine Nerverei diese Story betreffen immer ertragen hat :-)

Auch wenn es schon mitten in der Nacht war. Und ich dank Dir auch, daß Du meine Geschichte gelesen hast und aufgepaßt hast, daß mir da kein allzu grober Fehler unterläuft, nochmals danke :-)

written by Thomas, 30.08.1998  

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