Schatten der Seele

Teil 1

Das Ende

Es war abend, ein Magier saß alleine in der Taverne von Occlo, vor ihm eine stattliche Anzahl leerer Flaschen. "Ein Glück das mich meine Freunde nicht so sehen", dachte Falcon, denn sein Aussehen entsprach bei weitem nicht dem, wie man es von einem Guardian und stellvertretenden Ratsmitglied der TGA erwarten konnte.
Seine ehemals weiße Robe war grau und mit Flecken gespickt, sein Cape hing schlaff und zerrissen über seinen Schultern.

Jedesmal wenn Libby ihm eine neue Flasche brachte, rümpfte sie die Nase, da er seit Tagen kein Bad mehr von innen gesehen hatte. Seine Augen blickten starr und müde auf einen imaginären Punkt an der Wand, jeglicher Glanz darin war verschwunden.
Die Ereignisse der letzten Tage hatten ihn äußerlich um mehrere Jahre altern lassen. Die Probleme in- und außerhalb der Gilde hatten seinen Glauben an das Gute erschüttert, er zweifelte an der Richtigkeit seines Tun und Handelns.
Seit Tagen ignorierte er jegliche Kontaktversuche seitens seiner Gilde, was ihn den Unmut einiger Mitglieder einbrachte. Er brauchte Zeit nachzudenken, was er in Zukunft tun sollte.
Hier sitzen und Trübsal blasen bringt dir auch nichts, dachte Falcon. Lenk dich ein bißchen ab.

Er stand auf und verließ die Taverne. Auf dem Weg zur Bank ignorierte er jedes TGA Mitglied, das ihm begegnete. Er öffnete sein Bankfach und wählte die Rune nach Hythloth, wo er hoffte seinen angestauten Frust auf Orcs entladen zu können.
Er öffnete ein Gate, das er Augenblicke später, vor dem Eingang des Hythloth Dungeons verließ. Keine Menschenseele war zu sehen, auch kam ihm kein Geist eines Gefallenen wie sonst  meistens entgegen.
Eine Stimme in seinem Kopf riet ihm den Dungeon nicht zu betreten, doch schnell wie sie kam war sie auch wieder verschwunden. Falcon trank eine Black Potion und betrat den Dungeon.

Irgend etwas stimmte nicht, dieses Gefühl lies ihn nicht los. Als er am Teleporter zu Level 3 angekommen war, wusste er auch was es war... Weder andere Kämpfer noch irgendwelche Monster waren ihm begegnet.
Er beschloß der Sache auf den Grund zu gehen und tiefer in das Dungeon vorzudringen.
Als er den Raum mit dem großen Pentagram auf dem Boden betrat, hielt er inne.
Der Geruch von Schwefel lag in der Luft und Rauchschwaden vernebelten seine Sicht. Ein lange nicht gekanntes Gefühl überkam ihn ... ANGST.

"Ich habe auf dich gewartet, Falcon.", schallte es durch das Gewölbe und lies Falcon kalte Schauer über den Rücken jagen.
"Es ist lange her seit unserer letzten Begegnung.", fuhr die Stimme fort.
"Damals konnte ich deine Seele nicht nehmen, zu stark war dein Glaube an das Gute und dein Wille war durch den Zusammenhalt deiner Gilde gestärkt. Doch nun bist du ein leichter Fang für mich... Britannia wird von dunklen Mächten bedroht, Lord British widmet seine Aufmerksamkeit seinen Feinden, deine Gilde ist ist in einer schweren Krise und du....", schallendes Gelächter erfüllte den Raum,"du Guardian der TGA, du bist schwach geworden im Glauben wie auch in deinem Handeln".
"Es wird Zeit endlich meinen Plan in Taten umzusetzen !!", wieder erfüllte Gelächter den Raum, nur diesmal so laut, daß sich Falcon die Ohren zu halten mußte um nicht taub zu werden.
"Zeig dich, ich will wissen gegen wen ich kämpfe!", schrie Falcon.-
"Gut wie du willst, kommen wir zum amüsanten Teil unseres Zusammentreffens."

Mit diesen Worten verschwanden die Nebelschwaden und gaben Falcon den Blick zum Pentagram frei. Dort stand sein Gegner... ein Dämon, aber nicht irgendeiner, es war der Collector of Souls.
Zwei mal hatten sich ihre Wege bisher gekreuzt, beide Male hatte es Falcon vorgezogen, sein Wohl in der Flucht zu suchen. Doch dieses mal entschied er sich zu kämpfen.

"Vas Corp Por!"
Seine Worte hallten durch den Raum und ein Energy Vortex materialisierte neben dem Dämon, doch dieser lachte nur und sagte: "Du bist ein mächtiger Magier geworden, Falcon. Sehr gut.", und zerstörte den Energy Vortex mit einem Schlag.

Falcon sah ein das er diesen Kampf nicht gewinnen konnte und versuchte sich per Recall in Sicherheit zu bringen. Gerade als er die Rune benutzen wollte, belegte ihn der Dämon mit einem Paralyze Zauber.
"So genug", hörte er den Dämon sagen.
"Ich habe große Pläne mit dir, aber zuerst...  STIRB!"
Falcon stand plötzlich im Mittelpunkt eines mächtigen Flame Strike, seine magische Resistence hatte dem nichts entgegen zu setzen und er verging in der Flammenhölle.
Der Dämon lachte zufrieden und benutze die Kraft, die ihm seinen Namen gab und zwang Falcons Geist unter seine Kontrolle. Dann verschwanden beide und Ruhe kehrte wieder in Hythloth ein.

Nur ein Häufchen Asche zeugt noch vom dem schrecklichen Geschehen, welches hier stattgefunden hatte.

 

written by Falcon, 11.09.1998  

 

Teil 2

Die Abmachung

Es war Morgen geworden. Falcons Geist stand inmitten eines Pentagrams, gefangen von unsichtbaren Kräften.
Vor ihm stand sein Peiniger, der Higher Demon Collector of Souls. Seit es diesem gelungen war Falcon´s Geist in Hythloth in seine Gewalt zu bringen, war er den geistigen Angriffen des Dämons ausgesetzt. Immer und immer wieder versuchte der Dämon Falcons Willen durch psychische Angriffe zu brechen.
Er war geschwächt, als Geist konnte er nicht mehr so schnell regenerieren als in fleischlicher Form. Und wieder merkte er wie eine unbekannte Kraft versuchte, sich seines Willens zu bemächtigen. Seine mentale Abwehr drohte zusammen zu brechen, da zog sich aber der Angreifer zurück.

Fragend sah Falcon seinen Gegner an, der Dämon lachte ihn an und sagte:
"Du hältst dich tapfer, doch vergebens, alles bis jetzt war nur ein Kostprobe dessen, was dich erwarten wird. Du hast mir nichts mehr entgegen zu setzen, ich werde deinen Widerstand und somit deinen Willen in Sekunden hinwegfegen."
Schallendes Gelächter folgte.
"Doch das wäre zu einfach, vorher will ich dir noch verraten, was ich noch alles mit dir vor habe, nachdem du mein willenloser Sklave geworden bist. Diese guten, immer hilfreichen unausstehlich ehrenhaften Gilden wie die deinige sind mir schon immer ein Dorn im Auge gewesen, TGA, WH und wie sie alle heißen.. Ich werde sie alle vernichten.. Und DU wirst mein Instrument dazu sein !"

Panik ergriff Falcon. Sollte der Dämon seinen Plan in die Tat umsetzen können, würde eine dunkle Zeit für Britannia herein brechen.
"Du wirst Tod und Verderben über all jene bringen, die du einst liebtest. Du wirst mordend durch die Dungeons ziehen und mir die Seelen all derer bringen, die für das Gute kämpfen, auf daß ich noch mehr Sklaven wie dich erschaffen kann!"-
"Auch wenn du mich besiegst, die Gilden werden dir Widerstand leisten", dachte Falcon. Hämisches Gelächter bekam er als Antwort.-
"DEINE Gilden haben nicht die Kraft gegen mich zu bestehen. Sieh dir doch mal deine eigene an... Innerlich zerstritten, unehrenhafte Mitglieder, so genannte Guardians, die kaum noch Zeit haben. Soll ich diese Liste weiter führen Falcon? Oder reichen dir diese Demütigungen?", antwortete der Dämon.
Falcon senkte den Kopf. "Dieses Monster ist besser informiert als manches Mitglied", dachte er. "Einen besseren Zeitpunkt hätte er nicht für seinen Angriff finden können".
Vor seinem geistigen Auge sah er sich schon im Kampf gegen seine Freunde, doch schnell vertrieb er diesen Gedanken wieder.
"Die TGA ist noch immer stark genug deiner Macht zu trotzen, du widerliches seelenfressendes Monster."-
"So.. glaubst du?", entgegnete der Dämon, "Nun, gut ich werde dir meine Macht beweisen. Ich werde dir beweisen, wie schwach deine Gilde wirklich ist. Ich werde Ihr Aufgaben stellen, die Sie niemals lösen wird. Ich werde sie durch Britannia jagen und in den tiefsten Dungeons wird man ihre Todeschreihe hören.
Sollte sie aber entgegen meinen Erwartungen in der Lage sein alle ihnen gestellten Aufgabe zu meistern, dann ist meine Zeit noch nicht gekommen und du wirst wieder in deine Welt zurückkehren können. Sollte sie aber scheitern, wirst du freiwillig in meine Dienste treten und zur dunklen Seite wechseln!"

Sprachlos sah Falcon den Dämon an. Sollte er diese letzte Chance nutzen?
"Was habe ich zu verlieren, so habe ich wenigstens noch die Gelegenheit die Gilden zu warnen.", waren seine Gedankengänge.
"Gut.. ich bin einverstanden mit dem Handel", antwortete Falcon. Das dämonische Grinsen des Collectors wurde immer breiter, die Idee, daß Falcon freiwillig zur dunklen Seite wechseln würde, schien ihm immer besser zu gefallen- ein wahrhaft dämonischer Plan.
"Sehr schön... Ich werde deine Gilde um unsere Abmachung wissen lassen, doch nun lasse ich dich alleine.. ich habe die Aufgaben für deine Gilde zu planen".
Die Konturen des Dämons verschwammen, bis er schließlich ganz verschwunden war. Falcon war wieder alleine.

Hatte seine Gilde wirklich noch die Kraft sich diesem Gegner entgegen zu stellen ? War er es überhaupt noch Wert, das die Gilde seinetwegen den Kampf aufnahm ?

 

written by Falcon, 12.09.1998  

Fortsetzung folgt.....

 

 

 

zurück