Die Entscheidung

Zitternd vor Kälte kauerte die Gestalt vor dem spärlichen Lagerfeuer.Die dunklen langen Haare hingen in Fransen über die Schulter. Der Mann sah aus, als hätte er seid Wochen nicht mehr in einem richtigen Bett geschlafen.
Müde starrte Cedric ceTarn in die Flammen. Auf der Suche nach der Frau, die er über alles liebte, hatte er schon vor einer ganzen Weile die Grenzen Britannias verlassen. Vieles hatte er erlebt, unzählige Gefahren überstanden, aber sein Ziel hatte er immer noch nicht erreicht. Öfter schon hatte er Hinweise auf Fantaghiros Aufenthaltsort bekommen, aber genauso kam er jedesmal zu spät.

In den letzten vier Wochen hatte er die südlichen Gefilde von Kelewan durchreist, einem Land im Osten Britannias. Anfangs war er beeindruckt von den vielen Wundern, die dieses Land zu bieten hatte, aber mittlerweile umwölkte Gleichmut seine Gedanken.
Ein Fiepen ließ ihn aufschauen. Neugierig musterte ihn ein Augenpaar, direkt außerhalb des Feuerscheins.
"Hier, mein Freund."- Cedric warf dem Wesen, daß nun vorsichtig näher tappste, einige Brotstücke zu.
Der Anblick überraschte ihn nicht. Diese Tierart, die man am ehesten als einen kleinen Affen mit vier Armen bezeichnen konnte, kam in dieser Region recht häufig vor.
Anfangs mißtrauisch ließ sich der kleine Kerl das Brot schließlich doch schmecken. Cedric beobachtete ihn dabei. "Wenigstens du bist in diesem Augenblick zufrieden."
Als das Wesen die letzten Krümel genüßlich vertilgt hatte, setzte es sich aufrecht hin, legte den Kopf leicht schief und musterte den Krieger.
"Du wirst dich wahrscheinlich fragen, was ich hier mache. Ich weiß es selbst nicht. Es scheint, als wenn ich ihre Spur verloren habe."
Das Wesen antwortete mit einem weiteren Fiepen.
"Ja, du hast recht."- Cedric lächelte. "Nur ein Narr ist nicht in der Lage, die Wahrheit zu erkennen."
Und wieder fiepte das Tier, nur klang es diesmal fast wie eine Frage.
"Nein, ich bin kein Narr. Ich hoffe es zumindest."
Cedric begann zu lachen, aber es wandelte sich in einen Hustenanfall.
Durch den plötzlichen Lärm aufgeschreckt, machte das Äffchen einen Satz zur Seite.
"Nein, bleib!", preßte Cedric zwischen dem Husten hervor.
Endlich ließ der Reiz nach, nur seine Lungen rasselten noch gequält. Das Tier schien jedoch genug zu haben und verschwand wieder im Unterholz. Mit einem Seufzer rollte Cedric seine Schlafrolle aus und legte sich hin.
Der Schlaf übermannte ihn rasch.

Langsam blickte er über die Zinnen auf die Ebene, wo sich ihm ein eindrucksvolles Bild bot. Überall unter ihm fand ein emsiges Treiben statt. Menschen gingen ihrem Tagewerk nach und verließen oder betraten die Stadt, die eine stattliche Größe hatte. Von dem Tower der Guardian Angels, auf dessen Aussichtsplattform er sich befand, konnte er in der Ferne weitere Trutzburgen erkennen. Die Flaggen der White Hawks, der Gilde der Freiheit und der Hüter der Flamme zierten diese. Aber dies wurde noch in den Schatten gestellt von der riesigen Burg, die sich im Zentrum befand und deren Türme den Himmel zu berühren schienen. Auch auf dieser Burg wehten Flaggen im Wind, nur diesmal alle vier einträchtig nebeneinander.
Eine Hand legte sich auf seine Schulter.
"Ein prächtiges Bild, nicht wahr?"-
Cedric drehte sich um und sah in das Gesicht seines Freundes.
"So oft ich auch hier stehe. Es ist immer wieder wie beim ersten mal."-
Conan nickte zustimmend.
"Kommst du mit in die Taverne? Mein Hals ist trocken, als hätte ich einen Mongbat verspeist."-
Conan erntete ein herzliches Lachen und die beiden machten sich auf den Weg.

Cedsmi.GIF (11902 Byte)Auf dem Weg zur Taverne kamen sie an einer Schmiede vorbei, auf deren Schild, das neben der Eingangstür hing, in goldenen Lettern Cedrics Namen prangte.
"Dein Assistent kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen.", neckte Conan ihn.
"Ich aber auch nicht", grinste Cedric zurück.

Die Taverne war brechend voll, was zu dieser späteren Tageszeit nicht unüblich war. Greedy unterhielt die Menge gerade wieder mit einer seiner Anekdoten, für die er schon berühmt war, während er, wie üblich, einen Becher Wein in seiner Hand hielt.
"Ced, Conan! Das wurde aber auch Zeit."
Mike grinste über beide Ohren. "Wir haben schon mal ohne euch angefangen."
Die Menge brach in diesem Moment in schallendes Gelächter aus, als Greedy's neueste Geschichte endete.
Bevor die beiden Krieger sich versahen, bekamen sie zwei Krüge Ale in die Hand gedrückt. Lächelnd setzten sie sich zu ihren Freunden.

Etwas später- Cedric genoß gerade den farbenprächtigen Anblick, der sich ihm durch die Anwesenheit der verschiedenen Gildenmitglieder bot- öffnete sich die Tür und Babba, Clanleader der Guardian Angels betrat zusammen mit Falcon den Raum.
Während die beiden den Straßenstaub von ihren Kleidern klopften erschallten ihnen freudige Worte der Begrüßung entgegen.
Die beiden erwiderten die Freundlichkeiten und danach lenkte Babba seine Schritte in Richtung eines Tisches an dem sich bereits Gil Galad, Tim Garybaldi und Mythus zusammengefunden hatten.
Unterdessen setzte sich Falcon an den Tisch, an dem Cedric und Conan Platz genommen hatten.
"Hail, meine Freunde."-
"Hail Falcon.", kam es wie aus einem Mund.
"Ced, ich soll dir Grüße ausrichten."
Cedrics fragender Blick ließ Falcon lächeln. "Babba und ich kommen gerade aus Jhelom und haben dort Fantaghiro getroffen. Sie läßt dir ausrichten, daß sie in zwei Tagen wieder zurück sein wird."
Das Seufzen des Schmiedes ließ Falcons Grinsen noch einmal breiter werden.
"Ach komm, nur zwei Tage. Deine Frau vermißt dich genauso wie du sie."

Er wachte völlig verwirrt auf. Nur langsam gelang es ihm, in die Realität zurückzukehren. Er war richtig erschrocken über die Intensität, mit der er diesen Traum erfahren hatte. Ein Traum? Eine Vision?
"Wenn es nur wahr wäre."
Cedric seufzte.
Auf einmal hörte er in seinem Geist die Stimme Conans. "Komm zurück, mein Freund. Große Taten müssen vollbracht werden."
War er immer noch nicht wach? Cedrics Verwirrung war komplett. Noch immer schwirrten ihm Bilder von der Taverne ihm Kopfe herum. Was soll ich nur tun?
Ein empörtes Fiepen ließ ihn hochfahren. Ganz in seiner Nähe saß wieder dieses Affenwesen und schien ihn vorwurfsvoll anzusehen.
"Du hast recht."
Eine Entschlossenheit, wie seid langem nicht mehr, kam in ihm auf.
Schnell packte er seine Sachen zusammen, sattelte sein Pferd und stieg auf.
"Ich danke dir mein Freund", lächelte er dem Tier zu.
Er griff in seine Tasche und warf ihm einige Früchte entgegen.
"Auch wenn du nichts verstehst, ich danke dir trotzdem. Laß es dir schmecken."
Das Äffchen stürzte sich auf die Früchte und beachtete ihn nicht weiter.

Cedric ceTarn lenkte sein Pferd Richtung Küste. Er hatte noch einen sehr langen Weg vor sich, aber das schreckte ihn nicht. Am Ziel warteten seine Freunde auf ihn. Vielleicht auch der Aufbau einer ganzen Stadt, die ihnen allen eine Heimat werden könnte. Und vielleicht auch Fantaghiro....

written by Cedric ceTarn, 01.09.1998  

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